Zur Entstehung
des Werkraums Warteck pp

«Keep on moving»
Ein Film von Martin Thüring
über die letzten 11 Jahre
Werkraum Warteck pp (2004)

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Geschichte des Werkraums
von Silvia Buol

Die Entwicklung des Werkraum Warteck pp bis hin zur heute bestehenden Form ist vielen einzelnen Menschen, deren Überzeugungskraft, Experimentierfreude, Hartnäckigkeit und einem eigenwilligen, je anders ausgeprägten Glauben an das «pp», das «permanente Provisorium», zu verdanken.
Jakob Tschopp soll hier als Einziger namentlich erwähnt werden, ohne ihn gäbe es den Werkraum Warteck pp nicht. Er hat die ersten Verhandlungen für dieses Projekt geführt und er hat es bis zu seiner Realisierung begleitet.

Ansätze von Werkraum-Gedanken sind in der Jugendbewegung der 1980er Jahren entstanden; AJZ-Häuser und die Alte Stadtgärtnerei waren soziokulturelle Initiativen. Im Pilotprojekt Werkraum Schlotterbeck (1990–1993) wurde die Werkraum-Idee in intensiven Forumsnächten und in den Handwerks- und Kunstateliers konkretisiert. Sie hatte bald eine spezifische Ausstrahlung. Es gab damals in der Stadt eine Brauerei, gegründet 1889 als AG Bierbrauerei zum Warteck B. Füglistaller Nachfolger, die ihre Produktion 1990 eingestellt hatte. Diese alte Brauerei zum Werkraum zu machen, war eine Vision des Architekten Roger Diener. Er wollte die Warteck Invest AG für eine Wohn- und Büroüberbauung gewinnen, die Erhalt und Umnutzung der Brauerei einschloss. Er war überzeugt, dass der Erhalt der alten Gewerbearchitektur städtebaulich sinnvoll und finanziell rentabel sei, wenn das restliche Areal dichter bebaut werde.

Am 13. November 1991 führte Jakob Tschopp Herrn Füglistaller inkognito durch den Schlotterbeck, im Februar 1992 bat die Warteck Invest AG den Trägerverein des Schlotterbeck, ein Folgeprojekt für das Warteck-Areal vorzubereiten. Diese Pläne mussten bis zum Abschluss der Verhandlungen mit der Regierung geheim gehalten werden. Sie unterzeichnete eine Absichtserklärung, das ehemalige Brauereigebäude einer kulturellen Nutzung in Anlehnung an die Aktivitäten im Werkraum Schlotterbeck zuzuführen.

Der Werkraum Schlotterbeck arbeitete in regelmässigen und allen Interessierten offenstehenden Montagsplenen am Folgeprojekt fürs Warteck. Anhand von Modellen wurde die kulturelle Nutzung konzipiert, die Prioritäten der internen Verteilung standen zur Diskussion.
Ab Mai 1993 konnten die Plenen auf der Terrasse des Brauereigebäudes stattfinden. Am 14. Juni wurde dort der «Gründungsverein der Betreiberorganisation Warteck» mit 55 Mitgliedern konstituiert, der die Aufgaben hatte, die Verhandlungen mit der Warteck Invest AG zu führen, einen zukünftigen Trägerverein zu gründen und eine Betriebsstruktur zu entwerfen.
Die Warteckhofüberbauung und damit auch der Erhalt des alten Brauereigebäudes wurden durch einen Volksentscheid 1993 gesichert.


Im Sommer 1993 wurde ein Bau- und Koordinationsbüro eingerichtet, um Grundlagen für die Nutzung und den bevorstehenden Umbau zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt liessen höchstens ein Drittel der Räume eine vorläufige Nutzung zu. Das Gebäude musste zuerst gereinigt und gesichert werden. Bodenlöcher, Betonsockel, Brandspuren und eine Hundertschaft von Tauben beherrschten das Bild.
Es wurden Stromprovisorien erstellt, mit Material aus dem Schlotterbeck liessen sich die Räume einigermassen abdichten. Doch der erste Winter war hart, mit den dezentralen Holz- und Oelöfen war der durchdringenden Kälte nur schlecht beizukommen. Aber es wurde gearbeitet. An allen Fronten. Die Instandstellung und die Verhandlungen gingen voran.

1994 entstand die Stiftung Warteckhof und am 24. Mai desselben Jahres gründete die Nutzerschaft den Verein Werkraum Warteck pp.
Der Verein verankerte in den Statuten die Idee der Lern- und Lehrwerkstatt, das Plenum, die soziokulturelle Aufgabe sowie einen Fonds, der kulturelle Aktivitäten in Verknüpfung mit der Werkraum-Idee unterstützt.
Viele Projekte und Personen aus jener Zeit sind immer noch aktiv im Haus, glücklicherweise sind aber auch immer wieder neue hinzugekommen. Die Strukturen wurden, ganz dem «pp» entsprechend, laufend überarbeitet und neu eingerichtet.